Ergebnisse und Wirkungen der Bundesinitiative "wir ... hier und jetzt"
01.02.2006: Ziel der Bundesinitiative "wir ... hier und jetzt" war es, Jugendlichen in Ostdeutschland neue Perspektiven in ihrer Heimat aufzuzeigen, ihnen Mut zu machen und damit der anhaltenden Abwanderungswelle junger Menschen entgegen zu wirken. Von Herbst 2003 bis Ende 2004 beteiligten sich fast 13.000 Jugendliche aus allen fünf neuen Ländern mit über 400 Projekten. Die Initiative hat damit in relativ kurzer Zeit eine große Mobilisierungsleistung vollbracht.
"Ich freue mich, dass die Bundesinitiative ein so großes Echo bei den Jugendlichen in den neuen Ländern gefunden hat", schreibt Familienministerin Renate Schmidt im Vorwort des Ergebnisberichts des Deutschen Jugendinstituts. "Es ist uns gelungen, in den Regionen Verantwortungsgemeinschaften zu initiieren, in denen nicht nur Vertreter der Jugendarbeit, sondern auch Unternehmer, Vertreter der Wirtschaftsverbände, der Kommunen und engagierte Privatpersonen Perspektiven für die Jugendlichen in ihren Regionen entwickelt und umgesetzt haben." Dass die Motivation bei Jugendlichen gestärkt wurde, dass Partizipationsformen für junge Menschen gestärkt wurden und sie sich aktiv mit Geschichte auseinander gesetzt und damit eine stärkere Bindung an ihre Region erfahren haben, seien nur einige der vielen positiven Ergebnisse, so die Ministerin.
Im Rahmen der Bundesinitiative konnten sich die Jugendlichen in verschiedenen Handlungsfeldern - von den Förderwettbewerben "Berufsfrühorientierung", "Lokales Handeln für Beschäftigung" und "Was wir wollen, bekommen wir auch hin" über das Jugendprogramm "Zeitensprünge" bis hin zum Ideenwettbewerb "Perspektive" - engagieren und haben das auch vielfach getan. Sie haben Tonstudios aufgebaut oder Schneiderstuben, sie haben gezeigt, dass sie eigene Vorstellungen entwickeln und realisieren können - und das zudem so erfolgreich, dass einige im darauffolgendem Jahr weitermachten. Unterstützt durch ein gemeinsames Anliegen haben sich die Jugendlichen als Team mit einer Aufgabe und einer gemeinsamen Verantwortung verstanden. Sie haben dabei Kompetenzen erworben wie Kommunikationsfähigkeit, Projektmanagement, Selbstorganisation und Problemlösungsfähigkeit. Sie haben gelernt Fragen zu stellen, das Gehörte zu verarbeiten und in ihre Arbeit einzubinden. Sie haben selbständig und eigenverantwortlich gearbeitet und waren nicht selten Impulsgeber für die Verknüpfung von schulischen und außerschulischen Angeboten und auch für viele andere Jugendliche.
Die lokalen Akteure - insbesondere Träger der Jugendhilfe, Schulen und Kirchen - sind in diesem Zusammenhang unterstützt worden, neue Wege in der Ausgestaltung von Jugendangeboten zu gehen und dafür neue Partnerschaften beispielsweise mit Vertretern der Wirtschaft, der Kommunalpolitik und engagierten Privatpersonen einzugehen. Vielerorts sind dadurch neue Formen der Kooperation und Vernetzung aller jugendpolitisch Engagierten entstanden, die auch bei schwierigen Rahmenbedingungen den Bestand der Angebote erhalten können.
Die Bundesinitiative, die durch das Bundesfamilienministerium im Herbst 2003 ins Leben gerufen wurde, ist von der Stiftung Demokratische Jugend und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung umgesetzt worden. Die Koppelung der langjährigen Erfahrungen der Stiftungen in der Jugendarbeit mit den Kenntnissen und Erfahrungen der regionalen Partner vor Ort hat wesentlich dazu beigetragen, dass eine Vielzahl von Jugendlichen und institutionellen Akteuren der Jugendarbeit erreicht wurde.
Ansätze von "wir ... hier und jetzt" werden weitergeführt
Um diese Impulse aufzugreifen und die erfolgreichen Ansätze weiterzuführen, unterstützen die Stiftungen auch weiterhin Projekte, die geeignet sind, Jugendlichen Perspektiven zum Bleiben oder Wiederkommen aufzuzeigen.
Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung hat das in Mecklenburg-Vorpommern bereits erfolgreich laufende Programm "Berufsfrühorientierung" um die Möglichkeit einer Modellförderung erweitert. Außerdem wurde das Programm "Enterprise - Junge Menschen in die Selbständigkeit" nach guten Erfahrungen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin auf Sachsen-Anhalt ausgeweitet. Es bietet arbeitslosen jungen Erwachsenen Unterstützung beim Aufbau einer eigenen Existenz und fördert damit neue Ansätze von Unternehmergeist.
Im Rahmen des Förderprogramms "Kleinprojekte - Lokales Handeln für soziale Zwecke" in Mecklenburg-Vorpommern werden, dem entsprechenden Programmteil aus "wir ... hier und jetzt" vergleichbar, Projekte gefördert, die einen Beitrag zur lokalen Entwicklung leisten und die eine berufliche und gesellschaftliche Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen fördern. Ehrenamtliches Engagement von jungen Menschen steht im Mittelpunkt für das bundesweite Programm "Youth Bank. More than money", das die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung in Kooperation mit der Deutschen Bank Stiftung und der Servicestelle Jugendbeteiligung durchführt. In Mini-Stiftungen fördern drei bis zehn junge Menschen Projekte von Jugendlichen. Sie beraten ihre Altersgenossen bei der Ideenumsetzung, motivieren, steuern Know-how und können kurzfristig kleine Summen vergeben. Jugendliche verantworten die gesamte Arbeit: Sie legen Förderkriterien fest, erstellen Sozialraumanalysen, entscheiden über Projektideen und evaluieren, was sie erreicht haben. Eine bundesweite Implementierung der Erfahrungen speziell in Bezug auf die Kooperation von Schule und Wirtschaft erfolgt über das Programm "Ideen für mehr! Ganztägig lernen".
Die Koordinierungsstelle "Perspektiven für junge Menschen - gemeinsam gegen Abwanderung" innerhalb der Stiftung Demokratische Jugend widmet sich vor diesem Hintergrund der Aufgabe, das Problem der dauerhaften Abwanderung junger Menschen in das Bewusstsein der Bürger und der politischen Verantwortungsträger zu rücken und die Notwendigkeit der selbständigen Entwicklung von Perspektiven für junge Menschen zu betonen. Dazu gehört sowohl die Betreuung und Begleitung von Jugendförderprogrammen, als auch die Bündelung verschiedener Ansätze in- und außerhalb der Stiftungsaktivitäten mit der Ausrichtung, Diskussionsprozesse in Gang zu setzen.
Nach dem Erfolg des Jugendprogramms Zeitensprünge während der Bundesinitiative und im darauffolgenden Jahr 2005 setzt die Stiftung Demokratische Jugend gemeinsam mit den Jugendministerien in den fünf neuen Bundesländern die Projektförderung in Form von Landesprogrammen auch für 2006 fort. Gefördert werden zum 01. März 2006 in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen insgesamt 143 Projekte und ca. 1683 Jugendliche, die sich mit bislang wenig erforschter oder dokumentierter Regional- und Heimatgeschichte beschäftigen. Dabei werden die Jugendlichen unterstützt, sich auf "Spurensuche" zu begeben, lokale Geschichten aus ihrem Ort oder ihrer Stadt zusammenzutragen und möglicherweise nicht zuletzt das Bleiben oder Wiederkommen in die Heimatregion auch in die eigenen Zukunftspläne einzubeziehen.
Wer mehr über das Jugendprogramm Zeitensprünge und die Ausschreibungsrunde 2006 erfahren möchte, findet alle wichtigen Informationen unter: www.jugendstiftung-perspektiven.org/heimatverbundenheit
Die vollständigen Evaluationsergebnisse des DJI liegen vor
Mit über 400 Projekten und Vorhaben in allen fünf neuen Ländern und Berlin hat die Bundesinitiative in relativ kurzer Zeit eine große Aktivierungsleistung vollbracht und eine Vielzahl von Jugendlichen und institutionellen Akteuren der Jugendarbeit erreicht. Die von den beiden beauftragten Stiftungen für die Umsetzung genutzte Struktur der Regionalpartner hat hierzu wesentlich beigetragen. Es sind durch die Bundesinitiative Strukturen und Arbeitsformen entstanden, die über den eigentlichen Förderzeitraum vieler Projekte hinaus Bestand haben werden.Lesen Sie hier die Studien zu den einzelnen Programmbereichen und die Zusammenfassung der Evaluationsergebnisse des Deutschen Jugendinstituts (DJI) nach>>





