Home | Kontakt | Impressum | Newsletter
Suchen  
Banner: perspektive

"Wer sich engagiert, wandert nicht ab"

01.04.2005: Die Bundesinitiative "wir ... hier und jetzt" - Bilanz und Ausblick

   Christel Riemann-Hanewinckel, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium (Mitte); Prof. Dr. Norbert Walter, Deutsche Bank (links)
 

Christel Riemann-Hanewinckel, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium (Mitte); Prof. Dr. Norbert Walter, Deutsche Bank (links)

Jugendlichen in den neuen Bundesländern Perspektiven aufzeigen, sie in ihrer Eigeninitiative unterstützen und damit der Abwanderungswelle junger Menschen entgegen wirken - das war das Ziel der vor 15 Monaten gestarteten Bundesinitiative "wir ... hier und jetzt". Rund 13.000 Jugendliche haben sich seitdem in mehr als 400 Projekten an der Aktion beteiligt. "Ein guter und notwendiger Anfang ist gemacht", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Christel Riemann-Hanewinckel. Bei der Vorstellung der Ergebnisse von "wir ... hier und jetzt" in Berlin zeigte sie sich erfreut über die gute Bilanz und würdigte die Arbeit der vielfältigen Projekte. Die Aktion habe zu einer nachweisbaren Belebung und Weiterqualifizierung der Jugendarbeit beigetragen und die Partizipationsbereitschaft junger Menschen erhöht. In vielen kleineren Orten sei die Arbeit mit Jugendlichen überhaupt erst in Gang gekommen, so die SPD-Politikerin.

"Anstoß für Perspektivwechsel"

Mit der durch das Bundesministerium, die Stiftung Demokratische Jugend und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung ins Leben gerufenen Initiative ist es gelungen, das brisante Thema der Abwanderung junger Menschen aus den neuen Bundesländern aufzugreifen und anzupacken. Das bestätigte auch das Deutsche Jugendinstitut e.V., das mit der wissenschaftlichen Begeleitung des Projekts beauftragt war. "Wir wollten einen Anstoß für einen Perspektivwechsel geben; aufzeigen, was in den Strukturen verändert werden muss, um Menschen in ihrer Heimat zu halten", sagte Christel Riemann-Hanewinckel. Die Jugendlichen hätten dabei erfahren, dass sie ihre Ideen und Wünsche in die Jugendarbeit einbringen und vor Ort umsetzen könnten. In Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen in der jeweiligen Region, mit Vertreterinnen und Vertretern der Jugendarbeit, unter Einbindung der Wirtschaft und unterschiedlicher freier und privater Initiativen und Institutionen, die bisher nicht direkt mit Jugendarbeit befasst waren, seien auf diese Weise möglichst viele Akteure angeregt worden, gemeinsam neue Wege in der Jugendarbeit zu gehen.

  

"Hohe Beispielwirkung"

Durch "wir ... hier und jetzt" sind in den verschiedensten Bereichen Projekte entstanden, die junge Menschen motiviert haben, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und die ihnen Mut gemacht haben, bei der Gestaltung ihrer Zukunft selbst aktiv zu werden. Die Vielfalt der Projekte reicht dabei von der erfolgreichen Vermarktung von Mode, über den Mountainbiker-Treff mit Fahrradwerkstatt bis hin zur Umwandlung von Schloss Cösitz in ein generationsübergreifendes Wohnprojekt. Das Beispiel Schloss Cösitz beweise, dass man mit Initiative und Kreativität viel bewegen kann, sagte Christel Riemann-Hanewinckel. Sie zeigte sich beeindruckt von dem Projekt, das sie im September letzten Jahres vor Ort besichtigt hatte. "Von den geförderten Projekten gehe eine enorme Beispielwirkung aus...Jugendliche wollen sich engagieren, das zeige die erfolgreiche Bilanz der Bundesinitiative ganz deutlich", betonte die Parlamentarische Staatssekretärin.

"Stärkung von Heimatverbundenheit"

416 einzelne Projekte sind von Herbst 2003 bis Ende des vergangenen Jahres vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit insgesamt 4,24 Millionen Euro gefördert worden. Mit der Initiative ist es gelungen, jungen Menschen aus den neuen Ländern eine Perspektive aufzuzeigen, die ihre Bindung an das zu Hause gestärkt und den sozialen Zusammenhalt unterstützt hat, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin. Das zeige sich unter anderem in einer gestärkten Identifikation der Jugendlichen mit ihrer Region. Die Identifikation mit dem Wohnort würde gerade auch die qualifizierten Fachkräfte, denen attraktivere Angebote aus anderen Regionen winkten, zum Bleiben oder Wiederkommen anregen. "Wer sich vor Ort engagiert, der wandert nicht ab", so Christel Riemann-Hanewinckel bestimmt. Auch die Studie "Menschen für Sachsen-Anhalt" belege dies. Die Untersuchung, welche unter der Leitung von Prof. Dr. Christiane Dienel, Professorin für Europäische Politik und Gesellschaft an der Hochschule Magdeburg-Stendal, stattgefunden hatte, zielte darauf ab, Hintergründe der Abwanderung zu untersuchen und mögliche Maßnahmen zur Stärkung von Haltefaktoren zu entwickeln.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Gruppe, Norbert Walter, appellierte in diesem Zusammenhang an Politik und Wirtschaft, die vorhandenen Wachstumspotenziale Ostdeutschlands nutzbar zu machen. Er bedauerte, dass immer noch zu wenige westdeutsche Unternehmen das ökonomische Potenzial im Osten nutzten. Schließlich sei in die Sanierung der Städte, in die Infrastruktur und in die Hochschulen Millionen investiert worden. Die "Schätze im Osten" müssten besser vermarktet und besser genutzt werden. Denn Ostdeutschland habe trotz der Standortvorteile noch immer ein schlechtes Image. Aus diesem Grund forderte er die Ostdeutschen zu mehr "Selbstbewusstsein" und "Zusammenstehen" auf. Das "Hierbleiben" und das "Zurückkommen" müssten attraktiver gestaltet werden, so Walter.

   "Wer sich engagiert, wandert nicht ab"

"Kräfte bündeln"

Obwohl die Initiative 2004 ausgelaufen ist, werden viele der Einzelprojekte selbstständig fortgesetzt. Die deutsche Kinder- und Jugendstiftung wird die Erfahrungen aus der Bundesinitiative in ihre künftigen Programme einfließen lassen. Um die von "wir ... hier und jetzt" ausgegangenen Impulse zielgerichtet aufzugreifen und zu fördern, wurde in der Stiftung Demokratische Jugend zum 01. März 2005 die Koordinierungsstelle "Perspektiven für junge Menschen - gemeinsam gegen Abwanderung" eingerichtet, die sich übergreifend mit dem Problemfeld der Abwanderung befasst. Gerade in strukturschwachen, ländlichen Regionen bedürfe es weitergehender Konzepte, sagte Andreas Pautzke, Geschäftsführer der Stiftung Demokratische Jugend im Anschluss an die Pressekonferenz . "Nach dem viel versprechenden Anschub mehrerer Projekte durch die Bundesinitiative wird es nun darum gehen, die Problematik der stetigen Abwanderung junger Menschen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, die gesellschaftlichen Kräfte zu bündeln, und gemeinsam mit vielen anderen Mitstreitern tragfähige Handlungskonzepte zu entwickeln und umzusetzen."

Text und Fotos: Liv Abel

Seitenbeginn | Druckversion | Seite empfehlen | Sitemap
wir ... hier und jetzt ist eine Initiative von:
Die Logos der Initiatoren
Deutsch Kinder- und Jugendstiftung Stiftung Demokratische Jugend Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend