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"Zeigen, dass es sich lohnt, hier zu leben und zu arbeiten..."

07.09.2004: Christel Riemann-Hanewinckel, Parlamentarische Staatssekretärin im BMFSFJ, besucht Perspektive-Projekt in Cösitz

(Text, Fotos: Jana Kellermann)

  
 

Christel Riemann-Hanewinckel

"Hoffentlich sind Sie stolz auf das, was Ihre Jugendlichen hier geleistet haben", sagt Christel Riemann-Hanewinckel mit einem Augenzwinkern in die Kamera. Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend steht am Ende ihres Besuches in Cösitz vor der malerischen Kulisse eines Romanischen Bogens, der eine Sichtachse zum nahe gelegenen Petersberg bildet und gibt einem Reporter vom Lokalfernsehen ein Interview. "Was ist denn Ihrer Meinung nach das Besondere an diesem Projekt", wird sie gefragt. Christel Riemann-Hanewinckel überlegt nicht lange: "Das Projekt zeigt, dass es sich lohnt, hier zu leben und zu arbeiten".

  

Cösitzer Schloss

 

Cösitz ist ein kleiner, ländlich geprägter Ort mit knapp 400 Einwohnern mitten in Sachsen-Anhalt. Es gibt eine Kirche, Gemeinderäume, Gaststätten, Wallanlagen und ein Schloss. Und genau hier entsteht ein kulturelles, ökonomisches und ökologisches Gemeinschaftsprojekt mit dem Titel Zentrum für nachhaltige Landkultur. Träger des Projektes, das im Programmbereich Perspektive gefördert wird, ist der Verein Land.Leben.Kunst.Werk. Den Verein und zahlreiche Vereinsaktivitäten gibt es bereits seit April 2002. "Dennoch hat uns die Bundesinitiative gerade zum jetzigen Zeitpunkt geholfen, strukturelle Verantwortung zu übernehmen und vor allem andere Partner mit ins Boot zu holen", erklärt Veit Urban, zweiter Vorsitzender von Land.Leben.Kunst.Werk.e.V. Die Idee, das Cösitzer Schloss und seine Umgebung als Ort der Begegnung und Selbstorganisation für die Bewohner des ländlichen Raums zu etablieren, hat unter anderem die Sozialämter der Landkreise Köthen, Saalkreis und Bitterfeld überzeugt.
  
 

Spaziergang durch Cösitz

Diese Verantwortungsgemeinschaft geht nun gemeinsam das Ziel an, Lösungswege für die Gestaltung der Region unter aktiver Mitwirkung der Jugendlichen zu entwickeln. "Gemeinsam mit der jungen Generation wollen wir erproben, wie ländliche Regionen ihr Potenzial selbst erkennen und durch konkrete Maßnahmen ausbauen können", sagt Christine Wenzel, Vorsitzende des Vereins.

Hinter der Cösitzer Idee verbirgt sich ein langwieriger Prozess, der gerade am Anfang steht. Trotzdem gibt es bereits erste Erfolge und Projektergebnisse, auf die der Verein stolz verweist. Um diese Beispiele geht es beim Besuch der Staatssekretärin Riemann-Hanewinckel, die seit vielen Jahren in Sachsen-Anhalt lebt. "Ich kenne das Problem ländlicher, strukturschwacher Räume. Die jungen Leute gehen weg, und gleichzeitig gibt es im landwirtschaftlichen Sektor hunderte freie Stellen", sagt sie.

Christine Wenzel zeigt Christel Riemann-Hanewinkel den Traumgarten   

Christine Wenzel zeigt Christel Riemann-Hanewinkel den Traumgarten

 

Um so mehr zeigt sich Christel Riemann-Hanewinckel begeistert von der Projektidee und vom Selbstverständnis des Vereins. "Unser Prinzip ist das Erfahrungslernen", erklärt Christine Wenzel. Dieses Erfahrungslernen geschieht zum Beispiel während der Garten- und Landschaftsarbeit, die hinter den Projekten "Traumgarten" und "Labyrinth" steckt. Diese zwei Grundstücke sind von den Jugendlichen des Ortes entrümpelt und aufwendig gestaltet worden. Die Produkte aus dem Gemüseanbau werden wiederum in einer Lehrküche verarbeitet, die die Gäste des Schlosses versorgt. Weitere Einzel-Projekte des Vereins bringen den Kindern und Jugendlichen landwirtschaftliche und nicht zuletzt denkmalpflegerische Berufe nahe, denn auch die Erhaltung des Schlosses gehört zum Projekt.

  
 

Christel Riemann-Hanewinckel im Labyrinth

"Mit dem Zentrum für nachhaltige Landkultur fördern wir das gemeinschaftliche Wirken im Ort. Wir verstehen uns als Impulsgeber, als Ort des Lernens, der Partizipation und der aktiven Gestaltung." Neben der Arbeit in den Bereichen Landwirtschaft, Handwerkstechnik, Denkmalpflege und Berufsfrühorientierung ist der Verein mit verschiedenen Projekten u.a. in der Umweltbildung und der Abenteuerpädagogik tätig. Das Cösitzer Schloss selbst soll als generationsübergreifendes Wohnprojekt ausgebaut werden.

  

Riemann-Hanewinckel im Gespräch

 

Diesen aktuellen Projekten und zukünftigen Plänen stehen - trotz der Erfolge - aber auch Zweifler gegenüber. "Es gibt schon Menschen hier, die noch nicht so recht an uns glauben und sagen: 'Ihr seid doch bald wieder weg'", beschreibt Christine Wenzel vor allem die finanziellen Schwierigkeiten im Rahmen des angestoßenen Prozesses. "Die Leute denken, wir machen hier kurzfristig etwas und dann geht uns die Luft aus. Und tatsächlich ist die Zeit der Bundesinitiative sehr knapp bemessen, um sich richtig zu etablieren", meint auch Veit Urban. "Aber das Gute an dem Projekt ist doch, dass sich hier Partner zusammen getan haben", sagt Christel Riemann-Hanewinckel zuversichtlich. "Sie zeigen hier Phantasie und Energie, die andere anlockt, die allein nicht die Kraft dazu hätten. Da ergeben sich doch bestimmt auch andere Möglichkeiten."

  
 

Mosaik am Romanischen Bogen

Die Staatssekretärin möchte auf jeden Fall wiederkommen und sehen, wie sich das Zentrum für nachhaltige Landkultur entwickelt. Vielleicht ist bis zum nächsten Besuch auch das Mosaik an den Säulen des Romanischen Bogens fertig, vor dem Christel Riemann-Hanewinckel ihr Interview gibt. Bogen und Mosaik sind ein weiteres Ergebnis der kreativen, landschaftsbezogenen Arbeit des Vereins. "Wir sind hier ganz dicht an der 'Straße der Romanik'. Also haben wir dem Ort einen solchen Bogen geschenkt und während unseres Kunstsommers begonnen, die Säulen gemeinsam mit den Jugendlichen zu gestalten", erklärt Christine Wenzel. Auch die Idee des Kunstsommers - zwei Wochen lang mit ca. 600 Jugendlichen mit den Ressourcen des Dorfes zu arbeiten - begeistert Christel Riemann-Hanewinckel. "Ich wünsche Ihnen, dass das, was Sie hier machen, in die Region ausstrahlt. Und dann schauen wir mal, wie es weitergeht..."

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