Bunt und lebendig
11.11.2004: Berliner wir ... hier und jetzt - Projekte präsentierten sich im Tränenpalast
(Text, Fotos: Jana Kellermann)
Es ist fast dunkel im Tränenpalast. Der rhythmische Grundschlag von Bassdrums erfasst den gesamten Saal. Ein paar Mädchen, die am Bühnenrand stehen, fangen an zu kreischen, tanzen und klatschen. Sie stecken mit ihrer Begeisterung sofort das Publikum an, das mit großen Augen hört, wie Becken und Bongos erklingen, noch dazu scheint jemand in guter Hip Hop Manier zu scratchen - allein: auf der Bühne stehen lediglich fünf Jungs mit ihren Mikrofonen. Für die Musik, die sie produzieren, benötigen sie kein einziges Instrument. Beatbox - das ist eine Vocal Performance mit Mund und Mikro, eindrucksvoll präsentiert von Jugendlichen aus dem "All Eins", einem wir ... hier und jetzt-geförderten Jugend- und Kulturzentrum in Berlin.
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Werner Schulz, MdB |
Die wahren Superstars sind unter uns
Nach dem Auftritt der jungen Künstler betritt ein beeindruckter Werner Schulz (MdB, Bündnis 90/Die Grünen) die Bühne. Schulz, der die Idee zu wir ... hier und jetzt im Jahr 2002 mit auf den Weg brachte, konnte am Samstag die Berliner Ergebnisse der Bundesinitiative in Augenschein nehmen. "Wenn ich mich hier so umsehe, sind die wahren Superstars unter uns, nicht im Fernsehen", sagte er in seinem Grußwort. Die Atmosphäre im Tränenpalast erinnere ihn an die Aufbruchstimmung der Wende `89. "’Wir bleiben hier, denn wir wollen hier etwas verändern’ - das strahlen die Projekte aus und das stimmt mich optimistisch", so Schulz.
"wir ... hier und jetzt ist eine Massenbewegung geworden..."
Optimistisch äußerte sich am Samstag auch Dr. Thomas Gericke (Deutsches Jugendinstitut - DJI), der in einem Kurzreferat die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation zur Bundesinitiative vorstellte, bei dem auch Wilhelm Teuber (Referatsleiter im BMFSFJ) zu Gast war. "Zu Beginn waren wir durchaus skeptisch, ob man mit solchen Projekten Bleibeorientierungen herstellen kann", erklärte er.
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Dr. Thomas Gericke mit Werner Schulz, Heidemarie Rubart und Wilhelm Teuber |
Speziell im Programmbereich "Zeitensprünge" sei jedoch eine Stärkung der lokalen Bindung durch die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit der regionalen Geschichte feststellbar. "Die Kids haben einen sensationellen Job gemacht und waren hoch motiviert", berichtete Dr. Gericke begeistert. "Hier ist ganz klar eine Aktivierung von Jugendlichen passiert."
Auch in den anderen Förderbereichen hätten sich z.T. tragende Strukturen entwickelt und Impulse bereits positiv auf die Jugendarbeit ausgewirkt. Im Bereich "Perspektive" sei zu beobachten, dass sich "durch den angestoßenen Prozess nachhaltig etwas verändert hat - auch wenn die Träger das nicht immer sofort so sehen, weil sie nicht wie in anderen Programmen konkrete Ergebnisse vorweisen können."
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Workshop-Teilnehmer |
"wir ... hier und jetzt ist eine Massenbewegung geworden, die für die Sozialisationsprozesse eine wichtige Rolle spielt. Die Bundesinitiative ist ein erfolgreiches Programm," so das Fazit des DJI.
Diesen Erfolg feierten die in Berlin geförderten Projekte ausgiebig, lebendig und farbenfroh. Fast war es ein wenig eng im Tränenpalast - auch wenn sich das Interesse zeitweise in den Radiobereich oder die Filmecke verlagerte. Dort konnten alle Interessierten ihren eigenen Rap aufnehmen, das Hörspiel "Woran glauben sie (noch)?" eines Köpenicker Zeitenspringer-Teams anhören und Videofilme oder Powerpoint-Präsentationen der einzelnen Projekte ansehen.
Im Mittelpunkt standen jedoch zweifelsohne die Präsentationen auf der Bühne: Da zeigten junge Breakdancer der "Mädchenorientierungswerkstatt" ihre beeindruckenden Choreographien; die Kids vom "Zirkus Internationale" spielten in herrlichen Kostümen einen "Zuckertraum" und Treptower Schülerinnen und Schüler stellten dem Publikum ihr Eierhäuschen vor. "Das Bühnenprogramm ist toll", schwärmte jedenfalls die Zeitenspringerin Franziska (18). Sie war bisher noch gar nicht dazu gekommen, sich die anderen Projektstände anzusehen.
Nützliche Praxiserfahrungen
Dabei lohnte sich ein Rundgang durch den Tränenpalast für alle Gäste: Die Straßenkids vom Projekt "Go future!" beispielsweise warteten ungeduldig auf Besucher, um von ihren Erfahrungen des beruflichen Alltags zu berichten. Nur wenige Schritte entfernt präsentierten die Mädchen vom Projekt "experience deluxe" ihre selbst entworfene Mode - zunächst an ein paar Kleiderständern und am späten Nachmittag in einer eleganten Catwalk-Show auf der Bühne. Gegenüber malten die Kinder vom "Space Club" unbeirrt vom schummrigen Licht und den Darbietungen auf der Bühne unzählige kleine Gipsplatten an - Planeten, von deren Umlaufbahn und Eigenschaften sie interessierte Besucher sehr genau in Kenntnis setzten.
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H. Rubart, W. Ziemann |
So bot die Berliner wir ... hier und jetzt - Präsentationsveranstaltung für alle Gäste etwas: Ein buntes, lebendiges Bühnenprogramm und stille Ecken, in denen auch Gespräche geführt werden konnten. Einen herzlichen Dank für die gelungene Veranstaltung brachten auch die beiden Programmkoodinatoren der Stiftung Demokratische Jugend und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung Heidemarie Rubart und Wilke Ziemann in ihren abschließenden Worten zum Ausdruck.






